Jahresrückblick 2020

von Jan Ulrich Hasecke, Estelle Goebel-Aribaud – erschienen am 18.01.2021 – HS-2020

Das Jubiläumsjahr ist zu Ende. Es verlief ganz anders als erwartet.

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Nominierung für den CSR-Preis der Bundesregierung

Das Jahr begann mit der guten Nachricht, dass wir als einzige Genossenschaft für den Corporate Social Responsibility Preis der Bundesregierung nominiert worden waren. Die Bundesregierung schrieb den CSR-Preis 2020 zum vierten Mal aus, um Unternehmen auszuzeichnen, die sozial und ökologisch nachhaltiges Handeln in ihre Geschäftstätigkeit integrieren. Corporate Social Responsibility steht auch für eine verantwortungsvolle Unternehmensführung. Wir freuten uns sehr über die Nominierung, die wir als Bestätigung für unser Streben nach mehr Nachhaltigkeit betrachten.

20 Jahre Hostsharing

Wir wollten im Jahr 2020 unser 20-jähriges Jubiläum mit Mitgliedern und Gästen in Essen feiern. Bereits 2019 hatten die Vorbereitungen zur Feier des Jubiläums begonnen. Pünktlich zum neuen Jahr gab es ein Jubiläums-Signet und mit unserem Maskottchen auf dem Mond ein Key-Visual für die Aktivitäten im Jubiläumsjahr.

Ende Februar 2020 war die Planung für unsere Jubiläumsfeier abgeschlossen. Die Räumlichkeiten im Unperfekthaus in Essen waren reserviert, das Festbüfett ausgewählt, der DJ für die Party bestellt und alle Referentinnen und Referenten für das geplante zweitägige Jubiläums-Barcamp gebucht. Dann kam der Lockdown und alles stand still.

Digitalisierung und digitale Souveränität

Anfang März beschlossen wir auf unserem genossenschaftlichen Strategietreffen im Unperfekthaus die Wachstumsstrategie 2025. Sie enthielt wichtige Ziele wie den Kauf neuer Server und den Umzug in das neue Rechenzentrum sowie eine Finanzierungsplanung.

Corona warf alle Planungen über den Haufen. Dann nach dem Lockdown stand die Welt zwar still, aber in den Datenleitungen explodierte der Verkehr. Was vorangegangene Digitalisierungsoffensiven nicht vermocht hatten, das schaffte die Coronavirus-Pandemie. Von heute auf morgen stellten die Unternehmen auf Homeoffice um. Schulen sollten ad hoc digitalen Unterricht anbieten. Plötzlich wurde klar, dass die Gesellschaft auf diese Herausforderung gar nicht gut vorbereitet war. Überall fehlten die richtigen Werkzeuge oder die notwendige Übung, mit ihnen effizient umzugehen. Und wegen der vielen Videokonferenzen war insbesondere die sogenannte letzte Meile – in Deutschland immer noch viel zu häufig ein Kupferkabel – überlastet.

Bereits im März evaluierten wir verschiedene Open-Source Videokonferenzsysteme. BigBlueButton machte dabei die beste Figur, sodass wir die Software gemeinsam mit unseren Mitgliedern einem ausgiebigen Lasttest unterzogen. Unsere Testergebnisse halfen zahlreichen Unternehmen und Organisationen bei der Bewertung der Software für den professionellen Einsatz.

Unmittelbar danach stand unser neues Angebot für datenschutzkonforme Videokonferenzen. Es wurde begeistert aufgenommen. Denn etliche Menschen und Organisationen weigerten sich, ihre persönlichen und geschäftlichen Daten dem erstbesten US-Dienst zu überlassen. Und das galt nicht nur für Videokonferenzen. Auch mit anderen digitalen Arbeitsumgebungen konnte Hostsharing vielen Unternehmen und Organisationen helfen.

Aus zweitägiger Jubiläumsfeier wird eine zweistündige Online-Konferenz

Die letzten Hoffnung, das Genossenschafts-Jubiläum doch noch im Unperfekthaus mit unseren Mitgliedern und Freunden feiern zu können, schwanden im Sommer endgültig dahin. Wir entschieden uns, die Veranstaltung abzusagen und stattdessen am 10.10.2020 online zusammenzukommen. Wir schrumpften das Programm auf eine zweistündige Online-Konferenz mit ausgewählten Gästen. Die Aufzeichnung ist online.

Neue Server, Umzug in ein neues Rechenzentrum, Debian-Update.

Nach der Jubiläumsfeier war es dann endlich soweit. Unsere neuen Server trafen ein und wurden im neuen Rechenzentrum in Berlin installiert. Der Umzug wurde im Wesentlichen von Michael Hierweck gestemmt, dem wir für seinen unermüdlichen Einsatz ausdrücklich danken möchten.

Mitte November konnten wir die neuen Server in Betrieb nehmen. Die Mitglieder wachten morgens auf und hatten, wie es ein Genosse ausdrückte, »gefühlt plötzlich die fünffache Performance«. Im neuen Rechenzentrum bekommen unsere Mitglieder massiv mehr Leistung zum selben Preis. Der CPU-Takt hat sich verdoppelt. Die neuen NVMe SSDs schreiben fünfmal schneller. Und das neue Netzwerk bietet die 25-fache Bandbreite. Weitere Informationen zum Umzug enthält unser Blogartikel zum Nikolaustag.

Um die Inbetriebnahme der neuen Hardware zu vereinfachen, hatte das Serviceteam schon im Herbst beschlossen, den fälligen Betriebssystemwechsel auf Debian Buster noch auf den alten Servern vorzunehmen. Ein solches Update unserer Managed Operations Platform steht alle zwei Jahre an und dient unter anderem der Sicherheit. Auch der Betrieb individueller Anwendungen durch unsere Mitglieder wird dadurch erleichtert.

Weitere Projekte

Im Februar stellten wir eine neue Version der Dokumentation unserer Managed Operations Platform online und implementierten die Autokonfigurationsverfahren Autoconfig und Autodiscover in die Hostsharing E-Mail-Infrastruktur.

Hostsharing eG beteiligte sich als Netzwerkpartner an dem neu ins Leben gerufenen Projekt zum Aufbau der ›Platform Cooperatives Germany‹, das vom BMWi gefördert wird.

Ein herzliches Willkommen an unser neues Teammitglied

Mit dem Softwareentwickler und Systemadministrator Elimar Riesebieter konnte Hostsharing einen neuen Mitarbeiter gewinnen. Als erfahrener Debian-Maintainer kennt Elimar sich hervorragend mit dem Betriebssystem der Hostsharing Plattform aus.

Wachstumsprognose übertroffen

Hostsharing wuchs im letzten Jahr um rund 60 neue Mitglieder. Viele neue Organisationen, Unternehmen und Start-ups haben die Genossenschaft und ihre Dienstleistungen für sich entdeckt. Wir werden diejenigen, die es wünschen nach und nach in unseren Referenzen vorstellen.

Einige Mitglieder konnten dank der genossenschaftlichen Solidarität und den kurzen Laufzeiten bei unserem Leistungsangebot ihre Verluste aufgrund Corona bedingter Umsatzeinbrüche etwas abfedern. Viele Mitglieder mussten aber ihre Ressourcen schnell aufstocken, um dem erhöhten Bedarf an digitalen Leistungen oder einem gestiegenen Kundenandrang gerecht werden zu können.

Der genossenschaftliche Jahresumsatz stieg deshalb 2020 um rund 45 %. Wir hoffen trotzdem, dass die Pandemie bald vorüber ist. Die Nachfrage nach digitalen Dienstleistungen wird dann zwar zurückgehen, sich aber auf einem deutlich höheren Niveau verstetigen. Und wir können endlich unsere ausgefallene Jubiläumsparty nachfeiern.