Jahresrückblick 2018

von Jan Ulrich Hasecke – erschienen am 15.01.2019 – Team, Technik, Sicherheit

Ein recht turbulentes Jahr ist zu Ende gegangen.

Spectre und Meltdown überlebt

Nachdem es bereits 2017 erste Gerüchte gab, begann das Jahr 2018 mit einem doppelten Paukenschlag: Spectre und Meltdown. Zwei Sicherheitslücken, die Computerspezialisten vor völlig neue Herausforderungen stellte, da die Lücken in der Hardware steckten und nicht einfach zu fixen sind.

Die ersten beiden Blogartikel des Jahres beschäftigten sich mit diesem Thema:

EU-DSGVO überlebt

Die europäische Datenschutz-Grundverordnung, die am 24. Mai 2018 in Kraft trat, hat uns die ersten Monate im neuen Jahr auf Trab gehalten. Da Hostsharing schon immer größten Wert auf den Schutz persönlicher Daten legte, mussten wir kaum technische Anpassungen vornehmen. Leider machten uns die formalen Anforderungen der Verordnung viel Arbeit. Wir mussten neue Datenschutzerklärungen für unser Web-Angebot, unsere Social-Media-Präsenzen, eine Vereinbarung zur Auftragsverarbeitung und die Besonderen Bedingungen zur Auftragsverarbeitung formulieren und rechtlich prüfen lassen. Außerdem haben wir unsere AGBs entsprechend angepasst.

Der europäische Gesetzgeber wollte mit der DSGVO zwar die großen, internationalen Konzerne auf mehr Datenschutz verpflichten, über die Gebühr belastet wurden aber kleine und mittelständische Unternehmen wie Hostsharing und Privatpersonen und Vereine, die eine Website betreiben.

Widerstand gegen Uploadfilter

Während wir bei der DSGVO die ursprünglichen Ziele begrüßen - bei der Qualität der gesetzgeberischen Umsetzung haben wir große Zweifel - packte uns bei anderen Plänen des europäischen Gesetzgebers das schiere Entsetzen. Die von der EU geplanten Uploadfilter betrachten wir nicht nur als einen Eingriff in die Freiheit von Millionen EU-Bürgern. Sie vernichten auch Arbeitsplätze, weil kleine und mittelständische Unternehmen mit der Implementierung der Zensurinfrastruktur völlig überfordert sind und im Wettbewerb gegenüber den IT-Konzernen aus den USA weiter zurückfallen werden. Der Vorstand der Hostsharing eG hat sich in persönlichen Anschreiben an die deutschen Abgeordneten im EU-Parlament gewandt, um eindringlich vor der Zustimmung zu Artikel 13-E der Urheberrechtsrichtlinie zu warnen. Dass unsere Position in Brüssel völlig unterging, konnten wir aus den Reaktionen ersehen, die unser Brief hervorrief – oder eben nicht hervorrief.

Erfolgreich gegen die Telekom

Immerhin konnten wir im Juni einen Erfolg in dem von uns angestrengten Missbrauchsverfahren gegen die Telekom bei der Bundesnetzagentur vermelden. In dem Verfahren, das wir bereits 2017 angestrengt hatten, ging es um eine Filterfunktion in den Speedport-Routern der Telekom, die in der Standardeinstellung unsere E-Mail-Server blockieren. Die Telekom lenkte im Juni ein und erklärte eine umstrittene Filterfunktion in ihren Speedport-Routern bis Ende des Jahres abzuschalten. Ob sich die Telekom an diese Absprache hält, wird man sehen müssen.

Präsenz auf wichtigen Veranstaltungen

Noch nie war Hostsharing auf so vielen Veranstaltungen präsent wie im vergangenen Jahr. Dabei mussten wir gleich zu Beginn der Saison einen Rückschlag verkraften, da wir auf den Chemnitzer Linuxtagen keinen Stand bekamen und kurzerhand einen virtuellen Infostand auf Twitter errichteten. Allerdings hielt unser Vorstand Martin Weigele auf den CLT2018 einen gut besuchten Vortrag zur Datenschutzgrundverordnung.

Auf der FrOSCon 2018 waren wir dagegen wieder mit einem Informationsstand vertreten und konnten in einem Projektraum einen Hosting-Workshop für Frauen und ein Barcamp zum Thema »Gemeinschaftliche Infrastruktur«. Wir führten auf der FrOSCon viele interessante Gespräche. Über das Barcamp berichtete außerdem sehr ausführlich unser Mitglied Jan Ulrich Hasecke in seinem Blog.

Anfang Oktober besuchte Martin Weigele eine Podiumsdiskussion im Rahmen der Cologne Digital, bei der der MdEP Axel Voss mit Professor Klemens Skibicki von der Cologne Business School über das Thema Recht auf freie Meinung oder Schutzschirm für das Urheberrecht diskutierten.

Ende Oktober besuchten Estelle Goebel-Aribaud und Martin Weigele die Wandel-Konferenz in Sulzberg. Ziel der Konferenz war die Gründung eines Bündnisses für den sozialökologischen Wandel in den Feldern Bewusstsein/Bildung, Digitales/Technologie, Kultur, Ökologie, Ökonomik und Soziales vorzubereiten. Am Ende der Konferenz wurde ein Memorandum of Understanding verabschiedet.

Im November fanden die Verbandstagung des ZdK, die OpenRheinRuhr und die Bits und Bäume Konferenz statt. Die Bits & Bäume Konferenz in Berlin brachte Umweltaktivisten und digitale Menschenrechtler auf einer Konferenz zusammen. Drei Vertreter von Hostsharing nahmen an der Konferenz teil. Gemeinsam mit der Gemeinwohl-Ökonomie hatten wir einen Informationsstand, der an beiden Tagens sehr gut besucht war.

Martin Weigele besuchte im Dezember den Kongress des ECO e.V. Verbandes der Internetwirtschaft in Köln, bei dem es einige interessante Vorträge gab.

Strategie- und Teamtreffen

Das Hostsharing-Team traf sich am 5. und 6. Januar, am 13. und 14. April, am 16. Juni, am 11. August und am 21. Oktober, um die jeweils anstehenden Arbeitsphasen zu planen. Am 12. August und am 20. Oktober fanden Strategietreffen statt, an denen Vorstand, Aufsichtsrat, das Hostsharing-Team und einige Mitglieder langfristigere Zielsetzungen zu besprachen. Wir diskutierten über unsere Mission (Hosting, wie es sein sollte), unsere Werte, beschrieben eine Vision für das Jahr 2025 und analysierten unsere Abhängigkeiten von den verschiedenen Stakeholdern. Wir identifizierten aus dem großen Kreis von Kunden, die von unseren Leistungen profitieren, drei Zielgruppen heraus, die wir zukünftig stärker ansprechen möchten. Diese sind Genossenschaften, Agenturen und ›digitale‹ Unternehmen, also Firmen, die ihre Wertschöpfung vor allem online und digital erwirtschaften.

Genossenschaften im Fediverse

Um im Genossenschaftswesen als innovativer Hosting-Dienstleister bekannter zu werden, haben wir im Herbst 2018 eine Mastodon-Instanz unter der Adresse https://geno.social eröffnet. Wir bieten Genossenschaften und ihren Verbänden in Deutschland, Österreich und der Schweiz mit dieser Instanz eine gemeinsame Heimat im aufstrebenden Fediverse abseits der Datenkraken Facebook und Twitter.

Gleichzeitig ist eine eigene Mastodon-Instanz für uns eine ideale Möglichkeit, unsere Reichweite in den dezentralen sozialen Netzwerken zu vergrößern. Mastodon basiert auf dem vom W3C standardisierten ActivityPub-Protokoll, was in dem agilen Umfeld alternativer Netze eine gewissen Zukunftssicherheit gewährleistet.

Hostsharer tröten auf hostsharing.coop

Ende des Jahres ging dann auch die Mastodon-Instanz für unsere Mitglieder online. Genossinnen und Genossen von Hostsharing können auf dieser Instanz ein Konto eröffnen und gleich anfangen zu tröten – wie man das Twittern auf Mastodon nennt. Ein Einladungs-Link für hostsharing.coop ist kurz vor Weihnachten über die Mitglieder-Mailingliste versendet worden.

Foto: Steven VanDesande Jr on Unsplash