Zu Besuch bei ECO

von Dr. Martin Weigele – erschienen am 06.12.2018 – Politik, Wirtschaft, Konferenz

Interessante Informationen, Kontakte und Erfahrungsberichte gab es wieder auf dem diesjährigen Kongress des ECO e.V. Verbandes der Internetwirtschaft in Köln.

ECO-Kongress 2018

Letzte Woche fand im schönen Gebäude der Wolkenburg in Köln der ECO-Kongress 2018 statt. Über die Veranstaltung insgesamt gibt es bei ECO e.V. Informationen, deshalb soll hier vor allem über ausgewählte Highlights des Vortragsprogrammes kurz berichtet werden.

Datenökonomie der Zukunft

hieß das Thema von Jan Oetjen, dem Vorsitzenden des Stiftungsrates der European netID Foundation (zugleich Vorstand bei United Internet). Bemerkenswert war dabei, einmal die Perspektive der europäischen Internet und Internet-Werbeindustrie im Vergleich mit den Mitbewerbern aus Silicon Valley einzunehmen. Gerechnet nach Marktkapitalisierung sind in den Top 15 der Unternehmen 13 US Unternehmen vertreten, 2 kommen aus China, und kein einziges kommt aus der EU. Im Vergleich EU - Asien - USA bei Venture Capital Investitionen gab es im Jahr 2017 lt. PWC in Europa 15,6, in Asien 62,8 und in USA 63,8 Milliarden Euro. Nur im Fußball sei die EU weltweit führend. Den Werbemarkt teilen sich Google (43%) und Facebook (20%) zusammen 63% mit dem Rest, mit steigender Tendenz. Interessant ist dabei das Schicksal von Criteo, dem einzigen wirklich großen europäischen Werbenetzwerk, das Cookies verwendet. Im November 2017 schränkte Apple den Zugriff auf Cookies von Drittanbietern im Safari-Browser auf eine Laufzeit von 24h ein. Einen Monat später meldete Criteo einen Umsatzausfall von bis zu 22% bei einem geschätzten Safari Anteil im Traffic von 20%, die Criteo Aktie verlor daraufhin 27% an einem Tag.

Bittere Ironie an der Sache: Durch ihre walled-garden Politik ersetzen Google und Facebook cookies weitgehend durch freiwillige, erschlichene oder erzwungene Logins, um die Kunden zu identifizieren. Anbieter, die auf offene Standards wie cookies gesetzt haben, werden hingegen zum Opfer dieser Politik ebenso wie von ihrer Abhängigkeit, dass andere, wie Browserhersteller, diese realisieren. Den Rest gibt ihnen dann DSGVO und Co. Die traurige Realität ist also, dass strengere Regulierung durch DSGVO oder gar der künftig geplanten ePrivacy Rechtssetzung faktisch voll in die Hände von Google und Facebook spielen. Diese beherrschen mittels Login künftig den gesamten Markt. Um das zu verhindern, ist es das Ziel der European netID Foundation, ein eigenes, herstellerunabhängiges, offenes Login als Alternative zu etablieren.

Alles Cloud, der Rest zieht um nach Island

Sehr interessant war hier die Erkenntnis von Mareike Jacobshagen von Interxion Deutschland GmbH, dass die Ökostromabgabe in Deutschland dazu führt, dass der durchschnittliche Preis für Rechenzentrumsbetreiber in Deutschland drei Mal so hoch liegt wie in Schweden oder Island, weil Rechenzentren nicht industriellen Verbrauchern gleichgestellt sind. Somit wandern große Unternehmen wie z.B. Automobilhersteller, die eigene große Rechenzentren für eigenen Bedarf betreiben, mit diesen dorthin ab, was der IT-Infrastruktur nicht hilft. Denn für IT-Infrastruktur spielen Rechenzentren, auch deren lokale Verfügbarkeit, eine genau so große Rolle, wie die vorhandenen Netzwerkverbindungen.

Einblicke aus Hongkong und China - Deutschland schafft die CeBIT ab

Ebenfalls bemerkenswert war der Bericht von Dr. Bettina Horster, Vorstand der VIVAI Software AG aus Dortmund, die bei ECO das Thema Internet of Things (IoT) verantwortet. Ihre Beobachtung im Zusammenhang mit den Möglichkeiten, IoT-Produkte zur Verbesserung der Altenpflege einzusetzen: Während in Hongkong und auch im Mutterland China staatliche Stellen auf ihr Unternehmen aufmerksam geworden sind und sie eingeladen haben, um die Möglichkeiten zur Linderung der aus der auch in China problematischen Alterspyramide entstehenden Herausforderungen für die Pflege mittels IoT zu erkunden, herrscht in der deutschen Politik und Verwaltung völlige Funkstille. Während in China weitreichende strategische Überlegungen der Behörden bis hin zu konkreten umsetzbaren Planungen und Auswertung von Technologien selbstverständlich sind, passiert in Deutschland nichts. Dazu passend platzte die Nachricht in die Veranstaltung, dass es die CeBiT künftig nicht mehr geben wird.

Digitale Sicherheit in einer vernetzten Welt

Selbst Arne Schönbohm, der neue BSI-Präsident, der sich zuvor Mühe gegeben hatte, den Stand der Digitalen Entwicklung und IT-Sicherheit in Deutschland schön zu reden, ließ in seinem Beitrag erkennen, dass ihn das sehr nachdenklich mache.