Protokolle

Protokoll der Generalversammlung vom 29.6.2006

Datum: 29. Juni 2006
Uhrzeit: 18:12 Uhr bis 21:00 Uhr
Ort: multi-büro-service Pfefferkorn, Glockengießerwall 17, 20095 Hamburg
Vorsitzender: Michael Hönnig
Protokollführer: Jan Galinski
Teilnehmer: Michael Hönnig, Uwe Müller, Florian Steinel, Melanie Schulz (in Vertretung von Rolf Schulz), Oliver Weiß, Jörg Rathlev, Jan Galinski, Eckhart Dörre, Peter Niederlag, Stephan Schildberg

Stimmberechtigt sind alle Anwesenden außer Melanie Schulz, da keine schriftliche Vollmacht vorliegt.
Die Versammlungsleitung übernimmt Michael Hönnig, das Protokoll führt Jan Galinski.
Michael eröffnet die Versammlung um 18:12h und stellt die prinzipielle Beschlussfähigkeit fest. Es folgt eine kurze Vorstellungsrunde der Anwesenden.
Der einzige Tagesordnungspunkt zu dem eingeladen wurde lautet: "Die Zukunft von Hostsharing". Die Berichte und Diskussionen zu diesem Thema lassen sich jedoch grob in die Bereiche Technik, Finanzen, Strategie und Sonstiges gliedern.

Technik

Michael Hönnig berichtet vom erfolgten und erfolgreichen Umzug der Server in ein eigenes Rack im Rechenzentrum der ISP in Berlin. Durch die neue Konstellation in Verbindung mit Remote-Switches und Konsolenzugriff wird die Fernwartung der Server verbessert. Außerdem ergeben sich erhebliche Vorteile beim Einkauf von Leistungen, auf die Michael im Bereich Finanzen näher eingeht.

Aufgrund der bereits angekündigten Einstellung der Security Patches für Debian Woody zum Ende Juni 2006 wird nun das Upgrade auf Debian Sarge erfolgen. Die Tests dazu verliefen bereits erfolgreich, es gab zum Zeitpunkt der Versammlung noch Probleme mit Mail (SMTP after POP) und PostGreSQL. Dennoch kündigte Michael eine Umstellung zu Beginn KW27 an. Wegen der langen Backup-Zeiten können die Arbeiten leider nicht komplette innerhalb des Wartungsfensters erfolgen sondern werden ggf. in den frühen Vormittag hineinreichen. Zu den Arbeiten und den erwarteten Ausfällen wird seitens der Hostmaster gesondert informiert.

 

Der dritte entscheidene Punkt für die technische Zukunft von HS ist die Inbetriebnahme der neuen Dell-Server, die bereits im Rack in Berlin verbaut sind. Die neuen Server werden die Leistungsfähigkeit signifikant erhöhen und damit den Betrieb von Systemen möglich machen, für die HS bisher nicht interessant war (ezPublish, siehe Strategie). Nach den Erfahrungen mit den alten Servern soll auf den neuen Rechnern eine lose Kopplung von System und Hardware erfolgen. Dazu ist bereits eine Virtualisierungslösung mit DRBD und
XEN realisiert. Da diese nur auf den neuen Dell Rechnern und nur unter Sarge entwickelt und getestet werden kann, geht Michael davon aus, dass es mindestens vier, realistisch eher 8 Wochen dauern wird, bis die neuen Maschinen produktiv gehen werden. 

Das momentan letzte große Projekt in dieser Liste ist hsadmin. hsadmin wird in absehbarer Zukunft diverse Aspekte der Web- und Paketkonfiguration bei HS übernehmen und bisherige File/Robot basierte System ablösen. Die Konfiguration erfolgt dann wahlweise über ein Web-Frontend, ein Kommandozeilen-Tool oder XML-RPC. Die einzelnen Aspekte der Konfiguration wwerden durch Module organisiert. Innerhalb von hsadmin wird es bspw. Module für die Einrichtung von Email-Adressen, das Anlegen neuer Datenbanken, das Ändern der persönlichen Daten usw. geben. Das Kernentwicklerteam hat bereits ein Modul erfolgreich realisert und ein Framework für die Entwicklung weiterer Module aufgebaut. Bei der Entwicklung weiterer Module hofft das Team auf rege Beteiligung weiterer Entwickler. Dazu wird demnächst zu einem hsadmin-Seminar eingeladen werden.

Desweiteren berichtet Michael von den Schwierigkeiten, die sich im bei den Projekten ergeben haben. Generell bedauern die Hostmaster, dass es zu Verzögerungen im geplanten Zeitrahmen zur Umstellung auf Sarge und die neue HW gekommen ist.Die momentane Personaldecke seitens der Hostmaster stellt das Tagesgeschäft sicher, kann jedoch größere technische Projekte wie den Rack-Umzug, das Sarge Update und die Integration der neuen Hardware nicht abdecken und ist daher sehr stark von nicht vorhersehbaren Problemen abhängig. Durch den Umzug in das neue Rack und die Umstellung auf die Virtualisierunslösung ist jedoch eine Entlastung des Tagesgeschäfts abzusehen. Desweiteren kündigt Michael an, das sich Paul Hink wegen seines Zivildienstes aus dem aktiven Hostmastergeschäft zurückziehen wird, jedoch weiter Bereitschaftsdienst übernehmen kann. Seine Stelle wird von einem weiteren Hostmaster übernommen werden.

Finanzen

Peter Niederlag erklärt sein Bedauern darüber, dass der Jahresbericht für das Jahr 2005 nicht rechtzeitig fertiggestellt werden konnte. Es gab und gibt nach wie vor einen erheblichen händischen Aufwand im Bereich der Buchhaltung, was zeitaufwändiges Überarbeiten und Überprüfen sämtlicher Positionen erforlich macht. Wie auch im Bereich Technik hat sich auch hier gezeigt, dass die Personaldecke nur im Optimalfall ausreicht und bereits kleinere Probleme zu massiven Verzögerungen führen können. Insgesamt ist der Bericht auf einem guten Weg, weitere Ankündigungen eines Fertigstellungstermins wird es jedoch nicht geben.

Uwe Müller ergänzt dazu, dass durch einige Besonderheiten des Genossenschaftsrechts, welches oft Angelegenheiten sehr viel größerer Genossenschaften regelt, und die Zusammenarbeit mit dem Prüfungsausschuss, die Fertigstellung ebenfalls negativ beeinflusst wird, da viele der erforderlichen Aufstellungen und Berichte für Hostsharing nicht zutreffen oder nur mit erheblichen Mehraufwand zu leisten sind. Er erwähnt jedoch auch, dass die Einhaltung der Fristen für den Jahresbericht vom Genossenschaftsverband bereits angemahnt wurde.

Peter weist außerdem auf die hohen Ausstände hin. Da es kein automatisiertes Erinnerungs- und Mahnverfahren gibt, bleiben offene Posten lange in der Bilanz. Gerade im Bezug auf Kleinabnehmer wird in diesem Zusammenhang die jährliche Zahlungsweise bzw. die Einführung eines Lastschrift-Zwangs diskutiert.

Desweiteren führen laut Peter die stagnierenden Mitgliederzahlen bzw. generell ausbleibendes Wachstum in Verbindung mit den durch Rack und neue Rechnern gestiegenden Hardwarekosten zu einer Deckungslücke. Durch die gute Liquidität von HS ist der Zustand nicht kritisch, allerdings sollte innerhalb von drei bis vier Monaten gegengesteuert werden. Michael geht davon aus, dass die in diesem Zeitraum erfolgenden technischen Maßnahmen (s.o.) zu einem Anstieg der Mitglieder führen werden, der diese Lücke schließen kann.

Um die momentane finanzielle Situation etwas transparenter zu machen, stellt Michael anhand von repräsentativen Zahlenwerten die momenaten Ein- und Ausgaben Bilanz vor:

Einnahmen ca. 8000 Euro

Ausgaben Schrank und Traffic: 1200, Leasing: 700, Domains: 2800, Mietserver: 250, Löhne+Honorar: 3500, Büro/Bürodienstleistungen: 380, Verband+Prüfung: 150, Sonstiges: 200.

Die Summe der Ausgaben beträgt demnach 9180 Euro, es ergibt sich eine momentane Deckungslücke von 1180 Euro.

Unmittelbar wird der Vorstand dieser Entwicklung mit einer neuen, rückwirkend ab 1.6.2006 in Kraft tretenden Anpassung von Leistungen und Tarifen begegenen. Die Ermäßigungen sollen vor allem bisher wenig genutze Leistungen attraktiver machen und die durch das neue Rack günstiger gewordenen Traffikkosten in Form von mehr Inklusivtraffic an die Paketinhaber weitergeben. Dazu errfolgt in den nächsten Tagen eine gesonderte Information seitens des Vorstandes.

Mittelbar führen die durchgeführten und geplanten technischen Maßnahmen dazu, dass bedingt durch Leerkapazitäten und günstigen Traffic die Ausgaben im Bereich Technik kaum steigen werden, wodurch jede verkaufte Leitsung direkt auf der Habenseite zuzuordnen ist.

Darüberhinaus wird es zwei wesentliche Tarifänderungen geben: Zum einen die Zusammenfassung aller Einzelrabatt-Tarife (Domain, Speicher, Traffic) in einen generellen Rabatt-Tarif und "Fair-Traffic". Letzerer stellt eine Absicherung gegen einmalige Ausreisser im Monats-Traffic dar. Einmalige Ausreisser werden innerhalb einer gewissen Deckelung nicht berechnet. Dadurch kann die Sorge vieler Anwender, mangels umfangreichem Inklusivtraffic im Falle eines unerwartet erfolgreichen Angebots auf hohen Nachforderungen sitzen zu bleiben entkräftet werden, ohne das HS nennenswerte Kosten entstehen.

Abgesehen von den Berichten erfolgte im Bereich Finanzen eine Diskussion darüber, inwieweit die Auslagerung der kompletten Buchhaltung oder die Einstellung einer Aushilfskraft das Tagesgeschäft vereinfachen kann. Peter Niederlag plant bereits eine Aushilfe ein, bzgl. der Auslagerung der Buchhaltung wird Michael mit dem Bürodienstleister verhandeln.

Strategie

Unter dem Schlagwort "Strategie" sollen einige Punkte aus der formlosen Diskussion des über das Wachstum und die generelle Ausrichtung von HS aufgegriffen werden.

Kleinkundengeschäft

Es wird dikutiert, ob es für HS sinnvoll sein kann, sich einem niedrigpreisigen Markt zuzuwenden und direkt kleiner Kunden anzusprechen. Verschiedene Ansätze führen jedoch immer wieder dazu, das dadurch die Aufwände in den Bereichen Buchhaltung und Support wesentlich steigen würden, so dass ohne begleitende technische Massnahmen (Ticketing, Auslagerung Buchhaltung) der Betrieb nicht rentabel wäre. Michael gibt zu Bedenken, dass eine Masse von Genossen, die sehr wenig Umsatz aber volles Stimmrecht hätten, ein Risiko für die Genossenschaftsarbeit darstellen kann. Außerdem würde HS mit einem eigenen Kleinabnehmer Programm direkt den eigenen Resellern Konkurrenz machen. Statt dessen wurde die Stärkung eines Reseller Netwerkes ("Certified HS-Reseller", "regionale Netze", Web "Vor-Ort Service") angeregt, bei dem interssierte Neukunden an einen Reseller vermittelt werden.

Premium-Dienste, Alleinstellungsmerkmale

Eckhart Dörre von ezSystems (Hersteller ezPublish, Enterprise CMS) begrüßt die getroffenen Hardware Massnahmen und erklärt, dass HS damit in einen kleinen Kreis von Anbietern in Deutschland vorstößt die von ihrer technischen Basis in der Lage sind, ezPublish-Hosting im Shared-Hosting anbieten zu können. Er erwartet allein aus diesem Bereich spürbares Wachstum und regt an, sich am ezPublish Partnerprogramm zu beteiligen um diesen Werbe-Effekt mitzunehmen.

Web-Frontend

Michael betont die Bedeutung eines funktionierenden Web-Frontends für das zukünftige Wachstum. Auch wenn einige Genossen dazu andere Meinungen haben, ist es laut Michael schon häufiger vorgekommen, das Reseller gehen oder sich gegen HS entscheiden, weil sie einfache Konfigurationsarbeiten nicht an ihre Kunden delegieren können.

Rabatt-Tarife

Durch die Zusammenfassung der Rabatt-Tarife soll HS für große Reseller interessanter gemacht werden.

Sonstiges

Jörg Rathlev beschwert sich über die mangelnde Kommunikation zwischen Vorstand und Genossen. Viele Entscheidungen werden erst nachträglich bekanntgegeben, zugesagte Termine nicht eingehalten und aufkommende Diskussionen auf den Mailing-Listen abgewürgt. Michael und Uwe räumen ein, dass ihnen dieser Umstand auch bereits aufgefallen ist. Bedingt durch die Probleme mit der Personaldecke bleibt den Hostmastern nicht mehr so viel Zeit wie früher um Mailinglisten zu lesen und dort Diskussionen aktiv voranzutreiben. Aufgrund des Informationsvorsprungs z.B. im Zusammenhang technisch oder finanziell nicht realisierbarer Vorschläge von Genossen sagt Michael jedoch, dass er frühes und deutliches Intervenieren für zielführender hält als das Einlassen auf die Diskussion. Uwe verspricht durch Wiederbelebung des Newsletters den Informationsfluss Vorstand/Genossen aufzufrischen.

 

Um 21h wurde die Versammlung offiziell für beendet erklärt, da einige Auswärtige wie Uwe, Florian, Oliver und später auch Peter ihre Züge erreichen mussten.

Nachtrag

Die verbliebenden Teilnehmer nahmen sich noch eine halbe Stunde Zeit um die von Stephan Schildberg bereits auf der Mailingliste vorgetragende Idee des "grünen Internet" zu diskutieren.

Stephan stellte die Überlegung vor, aus ökologischen Gründen Rechnenzentren auf die verwendung von Strom aus erneuerbaren Energien umzustellen. Er wies außerdem darauf hin, dass das keine Zukunftsmusik ist, da in den USA und auch in Deutschland bereits derartige Betriebe existieren.

Da HS keinen direkten Einfluss auf die Wahl des Stromanbieters des RZ in Berlin nehmen kann, regt er an, zumindest die Hostmaster Arbeitsplätze umzustellen und ein, dem Vebrauch des Racks entsprechenden, Kontingent an Öko-Strom zu erwerben und zu spenden. Die in diesem Zusammenhang getroffenden Maßnahmen und die Zusammensetzung des Stroms von HS sollen dann im Impressum der Webseite als Selbstverpflichtung dargestellt werden.

In der folgenden Diskussion wurde diese Forderung dahingehend abgeschwächt, dass wir nicht den kompletten Verbrauch doppelt finanzieren, sondern den Differenzbetrag zwischen Strompreis RZ und (Mittelwert) Ökostrom in einen Fond einzahlen. Michael rechnet mit Mehrkosten um 50 bis 100 Eur monatlich. Damit die Aktion nicht untergeht, soll vorher jedoch versucht werden durch eine Gemeinschaft von Hostern eine gewisse Öffentlichkeit herzustellen. Die Sonderzahlungen gehen dann vorerst als Spende an eine noch zu bestimmende Organisation.

Unbestreitbar ist neben dem ökologischen Ziel der werbetechnische Effekt für HS. Es wurde angeregt, der Initiative einen Platz auf der Web-Seite einzurichten und über die vorgenommenen Schritte zu berichten.

 

Protokoll Hamburg, 30.6. Jan Galinski, korrigierte Version 3.7.

Geändert am: 03.07.2006, 13:06 Uhr
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